Bereits um 6:30 Uhr verließen
wir Gaziantep in Richtung Sanli Urfa. Die Landschaft die wir durchfuhren
war eher karg und hatte teilweise einen
wüstenartigen Charakter. In Sanli Urfa befindet sich die
Halil-Rahman-Moschee dem Heiligtum des Prohpeten Abraham mit dem
berühmten heiligen Karpfenteich von dem die Legende behauptet, daß
Abraham, der in einem riesigen Feuer hätte verbrannt werden sollen in
welches er mittels eines Katapults geworfen wurde, nachdem er Gott um
Hilfe bat, sich das Feuer in Wasser und die Glutstücke in Karpfen
verwandelt hätten. Diese heiligen Karpfen werden gehegt und gepflegt und niemand
darf sich daran vergreifen! Für die Türken ist Sanli Urfa der
zweitheiligste Ort nach Mekka (siebtheiligster Ort für alle Moslems)
und gilt für all jene als Ersatz die aus welchen Gründen auch immer
nicht nach Mekka zur Kaaba pilgern können. Diese ganze Anlage
einschließlich der Moschee ist wirklich sehr sehenswert. Hinter der
Anlage befindet sich der Bazar. Ein Gewirr von Einkaufsgassen mit
wirklich allem was man für das tägliche Leben braucht. Bisher hatten
wir noch nie so einen Bazar, der nicht nur vom Tourismus lebt, gesehen. Da
war zum Beispiel die Gasse der Schmiede, wir
sahen den Kupferschieden zu um uns herum wurde gehämmert und geklopft
es wurde richtig gearbeitet. Dann gab es natürlich auch noch die Gassen wo Gewürze und
Lebensmittel angeboten wurden oder die Schneidereien die mit ihren alten
Fußbetriebenen Nähmaschinen ihre Arbeit im Freien verrichteten. Inmitten dieses Gewimmels
ist ein Teehof und was uns
am meisten gefiel (nicht so wie in den Touristenorten) niemand
belästigte uns oder wollte uns irgendwas verkaufen oder versuchte uns
reinzulocken. Bei unserer Ankunft in
Sanli Urfa
fiel uns eine große Burg
auf, die mächtig über
der Halil-Rahman-Mosche thront, da wir noch etwas Zeit
hatten bis zur Weiterfahrt entschlossen wir uns diese anzusehen. Durch
ein Gassenlabyrinth stiegen wir hoch auf die einstige Trutzburg des
Balduin von Bouillon. Vor hier hatten wir ein wunderschönes Panorama
über Urfa. In Urfa wird einem bewußt, daß man sich im Osten der
Türkei befindet. Die Stadt vermittelt einen orientalischen Eindruck, so
ist sie eher konservativ, auch sahen wir hier sehr viele
"verschleierte" Frauen und keine, auch nicht die jungen gingen
z.B. mit unbedeckten Schultern. Wieder zurück an unserem Treffpunkt
ging die Reise weiter durch diese faszinierende Landschaft in der im
Sommer Temperaturen von 55°C herrschen. Wir
überquerten den Euphrat
und fuhren zum Atatürk-Staudamm der es ermöglichte diese Landschaft
fruchtbar zu machen. Der Staudamm ist doppelt so groß wie der Bodensee
und wird mit den Wassern des Euphrat gespeist. Mit riesigen
unterirdischen Pipelines (ca. 5 m Durchmesser) wir diese eigentlich
karge Landschaft bewässert und wie bereits erwähnt durchaus fruchtbar.
Durch die riesigen gestauten Wassermengen und der großen Hitze entsteht
natürlich auch eine große Verdunstung und es ist noch nicht abzusehen
was diese Klimaveränderung in einigen Jahren mit sich bringen wird.
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Weiter ging unsere Reise Richtung
Adiyaman
durch Mesopotamien. In der
Mittagszeit erreichten wir den Ort Katha und unser Hotel "Nemrut"
von wo aus unsere nächste Exkursion (der Höhepunkt unserer Reise) zum
Nemrut Dag starten sollte. Am frühen Nachmittag stiegen wir in
Minibusse um und los gings in Richtung Nemrut. Um den Ort Katha gibt es
Erdöl-Raffinerien welche von Polizei und Militärs streng bewacht
werden und so wurden wir denn auch angehalten und kontrolliert (war
nicht schlimm - ist ja für die Sicherheit) aber dann gings ohne
Zwischenfälle weiter. Wir fuhren durch ein riesige Gebirge und die
Straßen wurden immer kurviger. In dieser unwirtlichen Gegend,
leben und wohnen doch Menschen. So ungastlich - so gleichermaßen schön.
Dachten wir die Straßen wären gefährlich, so wurden wir ca. 15 km vor
dem Nemrut eines Besseren belehrt. In steilen Serpentinen, teilweise
auf gerissenes
Kopfsteinpflaster, mit vielen Schlaglöcher und holprig führte die Straße hinauf
und
unser Fahrer konnte oder sollte meist nur ganz langsam fahren und trotzdem hatten
wir das Gefühl, (wir fuhren im Konvoi von 5 Minibussen ) die
Jungs machen ein Wettrennen. Wir wurden kräftig
durchgerüttelt und ein wenig blass um die Nase (und nur nicht daran denken wie
es runter sein wird!) war es endlich so
weit, die Bergstation war vor uns und der Fußmasch auf die Spitze des
Nemrut Dagi
konnte beginnen. Den Schotter und Geröllweg hoch - die Stufen hoch-tief
nach Luft schnappend gelangten wir nach oben. Es war schon ein
bißchen anstrengend aber dann wurden wir mit einer grandiosen Aussicht
über das Land belohnt. Es ist von dort oben eine Weite und ein Gefühl
von Unendlichkeit das sich mit Worten nicht beschreiben
läßt. Und dann
der Moment worauf wir uns schon seit Jahren gefreut hatten, die riesigen
Steinmonumente des König Antiochos I, seiner Frau, Appolos und Zeus,
der Adler und der Löwe aneinander aufgereiht und auch heute immer noch
imposant und wunderschön anzusehen auf zwei gegenüberliegenden
Terrassen. Auf der östlichen Terrasse waren die Steinrümpfe besser
erhalten, auf der westlichen die riesigen Köpfe. Lt. der Geschichte
soll König Antiochos I. nach seinem Tode hier beigesetzt, die Spitze
des Nemrut mit dem Kalkgestein aus dem Gebirge aufgefüllt worden und
damit die Grabkammer Antiochos sein. Es ist eigentlich unmöglich das
Gefühl das dieser Ort mit seinen antiken Zeugen und die Aussicht auf
das unendlich weite Gebirge vermitteln in Worte zu fassen. Für uns ist
es ein Erlebnis gewesen, das wir niemals vergessen werden. Als wir den Nemrut Dagi verließen war es nun schon später Nachmittag
und die Sonne tauchte die steinernen Häupter und die Berge in rötlich
weiches Licht und was vorher unwirklich und ungastlich aussah wurde
plötzlch warm und immer überwältigender. Während der
abenteuerlichen Abfahrt besuchten wir ein kleines Bergdorf wo die Zeit
stehen geblieben schien. Mensch und Tier leben hier miteinander im Haus.
Danach bestaunten wir eine römische Brücke, gut erhalten und
restauriert über einen Nebenfluß des Euphrats. Es folgte noch die
Besichtigung des Grabhügels der weiblichen Angehörigen König
Antiochos I. Ein wirklich grandioser Tag ging zu Ende.
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