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Der 7 und 8 Tag.
Nach dem Frühstück um 8.15Uhr
ging es heute los.
Wieder über Denizli, dessen Wahrzeichen der Denizli Hahn ist, starteten
wir in diesen Morgen. Dieser Hahn steht im Guinness Buch der Rekorde als
der am längsten krähende Hahn. Sein Krähen kann bis zu 1 Minute 20 dauern
und wird eigentlich nur unterbrochen von Ohnmachtsanfällen aufgrund
Sauerstoffmangels. Erster Halt an diesem Tag war eine Teppichknüpferei in
Tavas. Hineingeleitet und empfangen wurden wir von dem Chef(?) dieses
Betriebes, der uns neben der Arbeit einiger Knüpferinnen interessantes zu
diesem Kunsthandwerk erzählen konnte. Welche Materialen sich dazu eignen,
die Färbetechniken, sowie die Anzahl der Verknotungen, die auf einem
Quadratzentimeter Platz haben können, sollen und dürfen, worin sich die
Qualität der verschiedenen Techniken unterscheidet. Keine Frage ist die
Verarbeitung mit Seide die sicher schwierigste, aber auch die schönste. So
tolle Muster können damit detailgetreu entstehen, dass es wirkliche
Kunstwerke sind. Wir wurden anschließend an einen Mitarbeiter der Firma
´übergeben´, der mit uns in einen Nebenraum ging, um uns anhand der dort
ausgestellten Bilder die Entstehung der Seide zu präsentieren.
Verschiedenste Fäden schmückten die Wände. Versammelt um einen runden
gemauerten beheizbaren Kessel, in dessen warmen Wasser, ausschauend wie
kleine weiße Eier schwammen, hörten und sahen wir staunend bei der
Entstehung der Seidenfäden zu. Das wie Eier aussehende waren die Kokons
der Seidenraupen, die, wenn sie hart waren darin klapperten, wenn man sie
schüttelte. Nur im nassen Zustand war es möglich einen reißfesten Faden zu
gewinnen. Dazu musste man mit einer sehr groben Bürste über die nassen
Kokons hinweg streichen, bis sich auf diese Weise leicht die Anfangsfäden
darin verfingen und sich damit leicht finden ließen. Diese wurden mit
vielen anderen gleichzeitig durch eine Führungsöse auf eine Spule
gewickelt. Ein Kokon kann aus über einem km Seidenfaden bestehen,
unglaublich oder? Die Raupen überleben diese Prozedur natürlich nicht. Das
gewünschte Endprodukt bestimmt die Anzahl der verflochtenen Fäden. Höchst
interessiert haben wir wieder etwas gelernt. Anschließend führte uns der
Chef(?) durch Hallen von Teppichen, wunderschön, ob jetzt aus Seide, Wolle
oder anderen Materialien, in einen großen Raum,Tür verschlossen. Wir
erhielten einen Tee und lauschten den Ausführzungen des Chefs zur
Exklusivität der Teppiche, die sie zweifelsohne auch hatten, jedoch
verließ er dann den Raum und sogleich füllte er sich mit Männern, die uns
die Qualität der Teppiche zu preisen suchten um uns danach in ein
mögliches Verkaufsgespräch zu verwickeln. In den Gängen überall wimmelte
es auf einmal von Menschen, wo vorher keiner war. Plötzlich war die Gruppe
getrennt und Panikattacken überfielen mich, woraus der Wunsch nach Flucht
entstand. Die Freiheit wieder, fanden wir uns im Hof der Firma einigen
Reisegruppen gegenüber, die alle den Wunsch zu haben schienen,
schnellstens weiterreisen zu können. Der Aufenthalt war mit einer Stunde
festgesetzt. Froh über die neue Erkenntnis der Seidengewinnung, hinkte das
Erlebnis noch eine Weile hinterher. Endlich als es weiter ging, musste die
Fahrt trotzdem kurz unterbrochen werden, da an einem Teilstück der
Autobahn Sprengungen durchgeführt wurden. Mittagspause wurde in einem
Anatolischen Restaurant in Aphrodisia gemacht, welches auch Ausgrabungen
hatte, die wir aber links liegen ließen. Relativ schnell und gut aßen wir
und so verloren wir nun nicht noch mehr Zeit für Ephesos, das uns schon
erwartete. Oskay verwöhnte unsere Ohren mit tollen Klängen, die bis heute
nachhallen. Vorbei wieder an Oliven-, Quitten- und Granatapfelplantagen,
ging es dieses Mal über eine holprige Landstraße. Die Granatapfel- und
Quittenernte stand kurz bevor, wie man an den dunkelroten und dicken
gelben Früchten sehen konnte. In den Städten bekam man überall einen
frisch gepressten Granatapfelsaft zu trinken, der gesund und lecker
schmeckte. Feigen, die zuhauf in der Gegend um Aydin wachsen, sind die,
die wir zuhause kaufen können, wenn sie nicht gerade aus Griechenland
kommen. In Ephesos konnten wir welche erstehen. Wie gut die schmeckten,
bedarf keiner Erklärung.
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Die Schnellstraße erreicht,
dauerte es nicht mehr allzu lange, bis wir gegen 15 Uhr in Ephesos waren,
endlich! Es war warm, die Sonne schien und so konnten wir uns in die
letzte, für diese Reise, antike Stätte, nahe der Stadt Selcuk, begeben.
Beginnend auch hier bei der Nekropole, konnte man rundherum die Höhe der
Erdhügel sehen, die vor den Ausgrabungen das gesamte Areal bedeckten. Es
müssen dort Unmengen von Erde bewegt worden sein, um an die Überreste der
einst größten Stadt der Antike mit 300 000 Einwohnern zu kommen. Bekannt
ist Ephesos (Efes) allein schon durch eines der sieben Weltwunder, dem
größten antiken Tempel der Artemis. Direkt am Meer gelegen, befindet sich
dieses heute etwa 8 km entfernt, so wie in Troja durch Versandung, aber
auch durch Erdbewegungen. Die Besiedelungsgeschichte dieser Stätte lässt
sich tausende Jahre zurück verfolgen. So konnte man Siedlungsspuren der
Hethiter, Mykener, Minoer und die anderer Kulturen feststellen. 334 v.
Chr. war Alexander der Große während seines Persienfeldzugs in Ephesos.
Den Gordischen Knoten, den er angeblich lösen konnte, haben wir in der
Teppichknüpferei kennen gelernt, denn so werden heute noch die Fäden in
den Knüpfereien verknotet. Dank der Archäologen, haben wir heute die
Möglichkeit Einblicke in frühzeitliches Leben zu bekommen. Allein die
Mühsal der Menschen, so etwas Großes vollbringen zu können. Über das Odeon
gelangten wir zur Kuretenstraße, an dessen Beginn sich vermutlich ein
Spitalähnliches Gebäude befunden haben könnte, da die auch heute noch
typisch optische Darstellung der sich windenden Äskulapnatter um einen
Stab der Hinweis auf praktizierende Mediziner ist und sicher auch war. Mit
Marmorplatten in den verschiedensten Größen gepflastert ging es über die
Kuretenstraße am Hadrianstempel vorbei. Links sind heute noch die
Überreste von Hanghäusern sichtbar, in denen Geschäftslokale untergebracht
waren. Vor den Türen sind Mosaike erhalten, in denen die Gewerke der
Geschäftstreibenden erkennbar sind. Rechts ging es weiter in Örtlichkeiten
wo früher sehr häufig Geschäfte abgeschlossen wurden, den
Toilettenanlagen. Die Sitzöffnungen waren ursprünglich aus Marmor, der,
wenn er kalt war von Sklaven vorgewärmt werden musste. Mittig stand ein
kleiner Brunnen, dessen Plätschern so manch unangenehmes Geräusch
übertönen sollte. Die Celsius Bibliothek am Ende der Straße lädt förmlich
zum Betreten ein, allerdings ist von der früheren Verwendung als
Bibliothek nicht mehr viel übrig. In dem damals aufwendigen und teueren
Bau, mit über 12000 Buchrollen, zeugt vom Reichtum der Erbauer. Rechts von
der Celsius Bibliothek gelangten wir durch ein imposantes Tor zur Agora,
dem Fest- oder Marktplatz, der sich vor uns auftat und über die Größe nur
wundern konnte, denn das damalige Treiben hier auf diesem Platz, wo nun
riesige Pinien und unzählige Steine aufgereiht für den heutigen Betrachter
liegen, kann man fast spüren. Die Marmorstraße war wegen Bauarbeiten
gesperrt und so begaben wir uns Richtung ehemaliger Hafenstraße zum
Theater, dass auch hier den Hang hinauf gebaut wurde. Vieles davon wurde
schon rekonstruiert, da der Verfall sonst sicher weiter fortgeschritten
wäre. Über den Orchesterraum konnte man das Theater durch
halbunterirdische Gänge verlassen. Enorm die Hafenstraße, die als einzige
in der Glanzzeit beleuchtet gewesen sein soll. Somit bewegten wir uns dem
Ausgang und dem Ende unserer Reise zu, denn von hier aus ging es bis weit
hinter Kusadasi in ein Hotel direkt am Meer. Ein toller Sonnenuntergang
beschloß diesen letzten Tag in der Türkei. |
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1.30 Uhr in der Nacht fuhr Oskay
uns ohne Zafer nach Izmir zum Flughafen, wo unsere Maschine um 5.55 Uhr
pünktlich gen Heimat abhob.
Fazit:
Mit Osakys Fahrkünsten durch Regengüsse oder Großstadtmetropolen, mit
Zafers Wissen und viel neuem über so viel Geschichte zu allen Orten und
Plätzen, die wir besuchen konnten, die netten Menschen, die wir kennen
lernen durften, hat uns mehr als gefreut und rundeten alles zu einer
erlebnisreichen und sicher nicht so schnell vergessenen Rundreise über
nicht ganz 2000 km durch ein tolles Land ab. Hermenegilds und Gottfrieds
Interesse, als auch ihr immens großes Detailwissen verblüffte teils nicht
nur uns, sondern auch den Reiseleiter. Rowena und Kathrin, die die
türkische Kultur vorher schon einige Male besuchten und uns manch
hilfreichen Tipp geben konnten, Traude mit ihrem freundlichen Wesen, die
auch in regendüsteren Momenten die Sonne scheinen ließ und der Andrea, die
vielgereist auch von dieser Reise noch nicht genug hatte und noch eine
Woche dran hing.
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