|
3. Tag: Gallipoli, Istanbul,
Topkapi Palast
Aufgestanden um 5.30 Uhr (unserer Zeit 4.30 Uhr) mit Regen, Sturm,
Gewitter, Regen, Sturm…..
Ab 6 Uhr gab es wieder ein tolles Buffet, das so ziemlich jeden Geschmack
befriedigte. In so einer Umgebung sind auch die vielen Touristen
verschiedenster Nationen erträglicher. Um 7 Uhr begann unsere heutige
Etappe, begleitet von sturmböenartigem Starkregen- ob das die Schirme
aushalten ( nein, haben sie nicht! Wer denkt bei einem Türkeiurlaub schon
an Regen? Von der erhofften Bräune, die die Daheimgebliebenen blass
erscheinen lassen sollte, konnten wir so nur träumen). Zafer erzählte uns,
dass wohl ganz Antalya im Regen versunken sei und es in Ostanatolien
geschneit hat. Er meinte, mit uns sei der Winter gekommen. Im Hafen von
Canakkale befuhren wir die Fähre und setzten so über die Dardanellen ans
nördliche Ufer gelegene Gallipolis. Es regnete so stark, dass wir daran
vorbei fuhren, ohne die Stätte gesehen zu haben, an der im 1. Weltkrieg
furchtbare Gefechte stattgefunden haben und unzählige Menschen gestorben
sind. Richtung Istanbul fuhren wir fast immer die Küste entlang, machten
zwei Pausen, wobei die Zweite kurz vor Istanbul gleich die Mittagspause
war. Wir aßen auch hier überraschend gut und konnten gestärkt den Weg
fortsetzen- der Regen hat nicht nachgelassen. Dann näherten wir uns
Istanbul. Mit seinen geschätzten 14- 15 Mio. Einwohnern, wächst es fast
täglich. Mit einem ungefähren Durchmesser von 175 km, ist es größer als
manche Strecke, die wir auf dieser Reise bewältigt haben. Es erschließen
sich immer neue Gegenden, die sicher älter sind, wo jedoch neu zugebaut
wird, am Rande dieser Metropole wird kontinuierlich gebaut und das auch in
ordentliche Höhen hinauf. Man kann nur hoffen, dass die Planer dieser
Großsiedlungen an die Erdbeben gedacht haben, die in den meisten Gebieten
der Türkei die häufigste Naturkatastrophe sind. Wir brauchten ca. eine 3/
4 Stunde, mit mal mehr, mal weniger fließendem, natürlich auch hier
hupendem Verkehr, von etwa der Stadtgrenze auf Aurobahnen, bis wir am
Topkapi Palast ankamen. Die Busse aufgereiht, ließ uns die Vielzahl der
Touristen bereits ahnen. Zafer machte mit uns auf dem Gelände des Palastes
eine Führung, zeigte uns die bedeutendsten Plätze und erzählte das
Wichtigste dazu. So war der Palast viele Jahrhunderte lang Regierungs- und
Wohnsitz der Sultane, gleichzeitig das Verwaltungszentrum des Osmanischen
Reiches. Die Gründung der Stadt erfolgte, nach der Eroberung
Konstantinopels, durch Sultan Mehmed II, der sie nach einem zweiten Anlauf
zwischen dem Marmarameer und dem Goldenen Horn auf einem der sieben Hügel
Istanbuls erbauen ließ. Stetige Umbauarbeiten prägten das heutige
Erscheinungsbild. Der Palast bedeckt eine Größe von über 69 Hektar,
bestehend aus mehreren Gebäuden und bildete mit tausenden Bewohnern eine
eigene Stadt. Dazu gehörte auch ein großer Garten. Anschließend hatten wir
Zeit zur Verfügung, um die uns interessierenden Örtlichkeiten selbst zu
erkunden, was wir auch taten. So besuchten wir die Schatzkammer, mit dem
berühmten Dolch, der als Geschenk für den Schah von Persien gedacht,
allerdings durch kriegerische Kampfhandlungen und den Tod des Schahs
zurück nach Istanbul kam. Wir erfuhren anhand des sagenhaften Schmuckes
mit unbezahlbaren Edelsteinen, sowie der Ausstattung der Räumlichkeiten
und vielen Gemälden mehr über die großen Sultane. Es gab auch einen
verbotenen Ort, der nur nach erfolgter Erlaubnis betreten werden durfte.
So befand sich an diesem Ort der Thronsaal für Empfänge ausländischer
Gäste und staatsdienender Wesire, sowohl auch den Harem, zu dem die
Privatgemächer der Sultane gehörten Bis zu 2000 Haremsdamen lebten in den
Räumlichkeiten. Wenn eine von ihnen dort nicht mehr erwünscht war, konnte
sie ihr Leben im unteren Serail ( Palast ) weiter führen, wo sie auch von
Staatsdienern mit Erlaubnis des Sultans geehelicht werden konnte. Wir
glaubten nicht genug Zeit für den Harem zu haben, für den man extra
Eintritt zahlen musste, am Ende wäre es sich doch ausgegangen. Zwei der
Mitreisenden, Rowena und Kathrin waren drin und sehr begeistert
schilderten sie uns von der tollen Ausstattung. Treffpunkt war um 17 Uhr
beim Bus, wo Oskay und Zafer auf uns warteten. Neben dem Topkapi Palast
lag die Hagia Sophie und ihr gegenüber eines großen Platzes die blaue
Moschee, die ihre sechs Minarette imposant in den Himmel reckte. Hier
wohnten wir im Golden Hill, welcher Teil Istanbuls das war, erfuhren wir
nicht. Zu Abend aß der Großteil der Gruppe in einem einheimischen Lokal,
dem Baran Ocakbasi, nahe beim Hotel. Das war ein bisschen eigen, da man zu
freundlich war, aber am Ende war es doch nicht so schlecht mit den ganzen
Vorspeisen und dem Essen, denn uns zog es am nächsten Abend noch einmal
dorthin. Mit Andrea genehmigten wir uns noch einen kleinen Umtrunk in der
Bar, bevor es in unser nicht so schönes Zimmer ging, aber es war ja nur
für kurze Zeit.
|
|
4. Tag: Istanbul, Hagia Sophia,
Hippodromplatz, Blaue Moschee, Ägyptischer Basar
Heute brauchten wir keinen Wecker, denn die Muezin aus allen Richtungen
waren dafür zuständig. Der Himmel hängt voller Wolken und Regen, es hat
16° C. Ein einfaches Frühstück erwartete uns ab 7 Uhr, Abfahrt war um 8.30
Uhr zur nicht weit entfernten Hagia Sophia. Für unsere Verhältnisse,
konnte man den Frühverkehr schon mit starkem Aufkommen vergleichen,
bedrängt wurden wir links und rechts von eiligen Fahrern, ausweichen des
öfteren Stellen, wo es gekracht hat und die Hupen, die natürlich nicht
fehlen durften. Bei der Hagia Sophia angekommen, stand eine riesige
Menschenmenge vor dem Eingang, die sich allerdings recht schnell auflöste.
Die Taschen wurden, so wie gestern im Topkapi Palast, durchleuchtet, bevor
es auf das Gelände ging und Zafer uns im Vorfeld schon wieder einiges
erzählen konnte. Die Hagia Sophia ist eine ehemalige byzantinische Kirche,
in der die byzantinischen Kaiser gekrönt wurden, entstanden etwa um 500,
die später durch den Zubau von Minaretten in eine Moschee umgewandelt
wurde. Heute stellt sie als Ganzes ein Museum, sowohl eine der
bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt dar; gehört zum UNESCO
Weltkulturerbe. Sie hat in der Christenwelt auch heute noch eine große
Symbolkraft und hohe Bedeutung. Mit der Eroberung der Osmanen verlor die
Kirche einen großen Teil ihrer christlichen Insignien und wurde für die
Osmanen zu einer bedeutenden Moschee. Sie wurde dreimal gebaut, das erste
Mal fiel sie Flammen zum Opfer, das zweite Mal einem Erdbeben. Im 16.
Jahrhundert wurde sie mit eingezogenen Eisenstreben in den tragenden
Elementen stabilisiert. So konnten die bisherigen Erdbeben nicht viel
Schaden anrichten. Im Eingangsbereich der Hagia Sophia, befindet sich eine
große Vorhalle, ausgeschmückt mit allem, was damals möglich war. Die Wände
mit gemustertem Marmor geschmückt, dessen zweite Seite spiegelverkehrt
angeordnet ist, so dass das entstandene Muster nicht natürlich, sondern
gemalt aussieht. Die Eingänge in den Innenraum bilden Tore, deren größtes,
damals nur vom Kaiser benutzt, Kaisertor bis fast an die Decke reichte.
Darüber ist Christus in einem Mosaik dargestellt, also Dimensionen, die
sich mit wenigem vergleichen lassen. Der höchste Punkt im Innenraum ist
von der Kuppel bis zum Boden mit 55 m, der Durchmesser der Kuppel 32 m.
Viel ist von der alten Struktur erhalten. Überwältigend die Kunst, ein
solches Bauwerk in jenen Zeiten zu bauen, dass bis heute Bestand hat. Die
tiefhängenden blumenartigen Leuchten ließen die Höhe noch enormer
erscheinen. Die christlich bezogenen Mosaike und bildhaften Darstellungen,
z.B. der sechsflügeligen Engel, wurden von den Osmanen überputzt und
übertüncht, die seit der Umwandlung in ein Museum in Kleinarbeit wieder
freigelegt wurden. Somit stellen sich heute muslimische und christliche
Symbole in der Hagia Sophia vereint dar. In Mittelschiff steht eine
nachträglich eingebaute islamische Gebetsnische, für muslimische Gebete,
darüber befindet sich an der Wand ein Mosaik der thronenden Muttergottes,
seitlich davon Buntglasfenster aus dem 18. Jhd., links davon steht die
Freitagskanzel, Mimbar genannt, von der aus der Imam, dem Vorbeter,
Freitags die Gebete rezitierte. Links davon befand sich eine Loge, in der
sich nur der Sultan zum Gebet aufhalten durfte. Zum Schutz des Herrschers
wurden Bewacher aufgestellt. Rund 7 m im Durchmesser große mit Kamelleder
bezogene Schilder schmückten die Hauptpfeiler. In kalligraphischer
Schönschrift arabisch genannt, sind die Namen Allahs, des Propheten
Mohammeds und vier rechtgeleitete Kalifen. Diese Schilde stammen aus
neuerer Zeit und wurden statt der vorher dort befestigten rechteckigen
Tafeln ersetzt. Die Säulen im Innenraum stammten vom Artemistempel in
Ephesus. Auf die zweite Ebene, die Empore, gelangte man über einen
gewundenen Pfad und eröffnet den Blick von oben in diesen sagenhaften
Innenraum. Hier oben sah man die durch Erdbeben ausgelösten Verformungen
von Pfeilern und dem Boden. An einer Wand war in Mosaikform Jesus
dargestellt, das die Übertünchung nicht ohne Beschädigung überstanden
hat.Nach der freien Zeit, die wir auch hier zur Verfügung hatten, gingen
wir direkt von der Hagia Sophia zum Hippodromplatz, auf dem im
Konstantinopel der damaligen Zeit Pferderennen ausgetragen wurden. Da mein
Regenschirm die gestrigen Sturmattacken beim Topkapi Palast nicht
überstanden hat, musste auch ich mir nun einen neuen kaufen, denn Tröpfeln
tat es immer noch. Zu Beginn des Platzes stand ein im türkischen Stil
erbauter Brunnen, der zum Dank für den Bau der Eisenbahn von Kaiser
Wilhelm gestiftet wurde. Als nächstes auf dem Hippodrom stehende Wunder
ist der Obelisk aus rosa Granit, den Kaiser Theodosius I. aus Ägypten hat
kommen lassen. Ursprünglich war er um die 30 m hoch. Vor dem Aufrichten in
der Mitte des Hippodromplatzes zerbrach er und ist jetzt ca. 20 m hoch,
immerhin noch stattlich. Der Obelisk steht auf dem damaligen Niveau,
welches einige Meter unter dem von heute liegt. Er stammt aus der Zeit
Thutmosis III., stand ursprünglich in Luxor vor dem Tempel von Karnak.
Hier steht er auf einem Marmorsockel an diesem Platz, der bisher alle
Erdbeben überstanden hat und dem man das Alter von immerhin 3500 Jahren
nicht ansieht. Eingemeißelt der Transport und die Aufstellung des
Obelisken, ein Pferderennen, sowie Ereignisse an Theodosius Hofe. Weiter
hinunter stand eine Bronzesäule, die sich aus drei sich einander
umschlingende Schlangen besteht. Der Kopf einer Schlange liegt im
Archäologischen Museum Istanbul. Geweiht wurde diese Schlangensäule von
den Griechen, die Siege über persische Invasoren feiern konnten, gewidmet
dem Gott Apollon. Hierher nach Istanbul kam diese Säule, nachdem
Konstantin der Große sie aus Delphi nach Konstantinopel bringen ließ. Am
Ende des Hippodromplatzes neben der Schlangensäule steht ein gerade in
Restauration befindlicher gemauerter Obelisk. Wir verließen den Platz und
wandten uns nach rechts der blauen Moschee oder auch Sultan- Ahmed-
Moschee zu, die heute die Hauptmoschee Istanbuls ist. Wir mussten in einem
langen Gang die Schuhe ausziehen und in einem Beutel verstaut mit uns
tragen, Kopftücher aufgesetzt und schon ging die Staunerei wieder los.
Blaue Moschee wird sie genannt, da sie reich mit blau- weißen Fliesen in
der Kuppel und den oberen Mauern ausgestattet ist. Älter als diese Fliesen
sind die mit traditionellen Pflanzenmotiven. Die Moschee zeichnen 6
Minarette aus, nur die Hauptmoschee in Mekka hat mehr. Die große Kuppel
ist befindet sich in 43 m Höhe, einfach unglaublich diese Wirkung.
Gestützt wurde das Ganze von vier 5 m mächtigen Säulen, Elefantenfüße
genannt, die uns daneben winzig aussehen ließen. Die bunten Fenster
verliehen dem Innenraum ein merkwürdig gedämpftes Licht. Die Moschee ist
mit Teppichen ausgelegt, in der es trotz vieler Menschen ruhig war. Wir
waren zu einer Zeit drin, als der Muezin rief und wir mussten die Moschee
schneller verlassen, als wir wollten. Beim Ausgang befand sich eine große
Treppe, auf der sich die Schuhanziehenden helfenderweise platzierten. Erst
als wir von unten hinaufsahen, stand dort groß geschrieben ´Bitte nicht
Platznehmen`, tja, etwas ungünstig angebracht! Zurück zu Oskay der uns
geschickt durch diese riesige Stadt entlang des Bosporus zum Misir Carsisi,
dem Ägyptischen Basar, lotste. Kurze Erklärung von Zafer auch hierzu, dann
ging es auf eigene Faust los. Benachbart von der Neuen Moschee, befinden
sich im überdachten Basar mehr als 100 Geschäfte, die mit Reizen, wie
Farben, Düften, Musik, bunten Lichtern, Glitzer u.v.m. zu locken
versuchten. Ein Erlebnis, auch wenn die Blicke an den verschiedensten
Sachen nur Bruchteile haften bleiben sollten, da man sonst von
Verkaufswilligen sogleich umringt ist. Man wurde auch deutsch
angesprochen. Wir besorgten Apfeltee, den mitzubringen wir gebeten wurden
(der schmeckt lecker!) und einiges mehr. Fische und andere nicht gut
riechende Angeboten befanden sich mit ihren Ständen seitlich außerhalb vom
Basar. Müde, frierend, hungrig, machten wir uns mit vielen neuen tollen
Bildern im Kopf, gemeinsam auf zu unserer letzten Nacht hier in Istanbul
im Golden Hill.
|