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Wenn ich an der
Küste entlang fuhr, streifte ich auch kleine unbekannte Orte, wo gleich
neben den Lokalen unbekümmert die Hühner herumhackten. Eines dieser Lokale
hieß "Panoramica" und hatte eine dementsprechend fantastische
Aussicht auf eine Flussmündung. Ein paar Mal kehrte ich an sehr legeren
Plätzen ein, wo meist nur Einheimische verkehrten. Das kann man ohne weiteres
machen, wenn man sich zu verständigen weiß, man fühlt sich kaum als
Fremder und wird auch nicht so behandelt. Ich stellte auch fest, dass sich
im Hinterland anscheinend doch etliche mitteleuropäische Ausländer
angesiedelt und bereits gut integriert hatten.
Mir fiel die Einfachheit
der Behausungen der Einheimischen auf, z.B. kleine bunt gestrichene Häuser in einer Reihe, mit flatternder Wäsche vor tiefblauem Himmel. In den
reicheren Küstensiedlungen blühte es reichhaltig in Vorgärten hinter
Ziergittern, auch in der Natur war es recht grün und das Gras war
durchsetzt mit gelben Blumen. Nur die Kahlheit der Feigenbäume wies auf
den Winter hin.
Auf meinem Weg nach Sagres kam ich durch Vila do Bispo,
einem kleinen und ziemlich einsamen Ort. Es war sonnig und sehr ruhig, ein
Bauer begegnete mir mit seinem Eselsgespann und ließ sich bereitwillig
fotografieren. Eine alte Frau saß auf ihrer Eingangstreppe in der Sonne;
als ich sie freundlich grüßte und anlächelte, klagte sie mir ihr Leid mit
ihren alten Knochen - ich verstand sie auch ohne Portugiesisch zu können.
Das absolute Erlebnis war, als ich die völlig flache und eintönige
Halbinsel bei Sagres erreichte und in Richtung Cabo de Sao
Vicente fuhr, wo Kolumbus damals in Richtung Amerika gestartet war.
Die Landschaft hörte auf lieblich zu sein, sie wurde immer kahler und
windzerzauster, und ich konnte mir vorstellen, wie es auf dem Mond ist.
Das Kap war absolut beeindruckend, es fällt hier ein paar Hundert Meter
wirklich steil ab und Angler sitzen wie Vögel in den Löchern der Klippen.
Man muss sich vorstellen, dass dies der westlichste Punkt Europas ist und
es gibt da einen Riesen Leuchtturm mit einer ziemlichen Reichweite, dessen
Wärter auch die Führung macht. Als Kontrast zu dieser rauhen und schroffen
Szenerie verkaufen Portugiesinnen im windgeschützten Innenhof gehäkelte Sächelchen.
Wenn man die extra für den Massentourismus erstellten Anlagen und
Viertel meidet, die
ziemlich hässlich sein können und die eine Ahnung
vermitteln, wie überfüllt es da im Sommer sein muss, findet man selbst in
Albufeira - der Touristenhochburg an der Algarve schlechthin
- noch Ursprüngliches und Beschauliches und selbst im Winter ab und zu in
einem Lokal eine Musikveranstaltung. Man findet urige Fischlokale, eine
Kunstgalerie über dem Meer und viele kleine Lokale in der Altstadt, wo man
Kleinigkeiten essen kann und wo sich vielleicht Gelegenheiten zum Plaudern
ergeben.
Wenn man morgens seine Brötchen beim Bäcker holt, ist es schon noch
empfindlich kühl (so 5, 6 Grad) und man braucht einen Anorak; auch abends kühlt´s schnell ab und man muss sich schon überwinden, noch mal
rauszugehen. Tagsüber ist das Wetter jedoch sehr angenehm, meist sonnig
und um die 20 Grad, aber auch bei Regenwetter ist es mild.
In Albufeira gibt es in der Nähe des Hafens ein Cafe mit einer
großen Sonnenterrasse, wo man wunderbar draußen sitzen kann. Allerdings
treffen sich hier fast alle Leute, die sich zu dieser Zeit im Ort
aufhalten.
Viele der winzigen schmalbrüstigen Häuser der Einheimischen haben eine
Dachterrasse, die man über viele gewundene Treppen an der Außenseite des
Hauses erreicht. Hier kann man Wäsche trocknen oder in der Sonne sitzen
und übers Meer schauen.....
In Diunilda´s Haus zum Beispiel wohnten unterhalb einer solchen
Terrasse als Dauergäste zwei Engländerinnen mit Kleinkind, die einen
Super-Teint aufwiesen und sagenhaft erholt aussahen. Sie arbeiteten dort
in Teilzeit bei einem Friseur.
Als ich im Flugzeug saß und die Maschine Richtung Meer startete und
unter uns die großen Salzlagunen bei Faro zu sehen waren, fiel mir der
Abschied von diesem frühlingshaften Land schwer. Wir flogen entlang der
silbrigen Windungen des Guadiana immer weiter hinauf in Richtung Norden
und Winter.
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